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In der Nacht zum Mittwoch, den 03. März 2010 starb Hans Viktor Kohnle.

Im Bergsträßer Anzeiger veröffentlichte das PiPaPo-Ensemble eine kurze Traueranzeige.

Der frühere Theaterleiter Jürgen Müller war sehr traurig. Seine Worte sind hier ebenfalls vertreten.
Abschließend habe ich ein paar persönliche Erinnerungen festgehalten.



Der Tod ist groß
Wir sind die Seinen
lachenden Munds.
Wenn wir uns mitten im Leben meinen,
wagt er zu weinen
mitten in uns.

                  (Rilke)

In memoriam - Hans Viktor Kohnle Wir trauern um unseren langjährigen Darsteller und Freund

Hans Viktor Kohnle
(26. April 1938 - 3. März 2010)


Ein Vierteljahrhundert lang bis wenige Monate vor seinem
Tod war er festes Mitglied unseres Ensembles. Er wird uns
unvergesslich bleiben.

PiPaPo-Kellertheater Bensheim

Für das Ensemble

Tanja Weber               Dr. Jürgen Rehm               Dr. Carolin Banašek-Richter                              


Der Mitbegründer des PiPaPo-Kellertheaters und alte Mitspieler von Hans Viktor,
Jürgen Müller, schickte uns die folgenden Zeilen:


Ich wünsche Hans Viktor im Himmel alles Gute und dass er dort die von Ihm geliebte Welt bereisen kann.
Und ab und zu vor den Engeln seine Rollen spielt.

               Jürgen Müller
In memoriam - Hans Viktor Kohnle In memoriam - Hans Viktor Kohnle

In memoriam - Hans Viktor Kohnle



Die nachfolgende Erinnerung möchte ich als persönlichen Nachruf veröffentlichen
(auch für die Darmstädter Freunde):


Erinnerung an Hans Viktor Kohnle

Am 9. 12. 1983 hatte bei den Bensheimer ‚Erdferkeln' das Theaterstück "Lauf doch nicht immer weg" von Philip King Premiere. Bei den Proben lernte ich einen neuen Mitspieler kennen, Hans Viktor Kohnle, kurz HaVi genannt.
Er spielte einen Aushilfspfarrer aus der englischen Provinz, etwas tapsig und schrullig, aber mit dem Herzen am rechten Fleck.
Oder anders, HaVi war ‚idealtypisch Besetzt', er spielte also sich selbst. In memoriam - Hans Viktor Kohnle


Mitte der 1990er Jahre bezog ich eine Wohnung in unmittelbarer Nach- barschaft zu HaVis Domizil, und seitdem fuhren wir buchstäblich Tausend mal gemeinsam nach Bensheim, zum Proben, Spielen oder als Zuschauer in ‚unser Theater' dass nun am gleichen Ort als "PiPaPo" residierte.





HaVi war gebürtiger Bessunger (heute Stadtteil Darmstadts), und daher regional stark verwurzelt.
Sein Vater, ein Konditormeister, war wohl mit HaVis Berufswahl zufrieden: Amtsinspektor der Stadt.
Aber die Karriere bei der Behörde füllte HaVis Leben bei weitem nicht aus. Zeitlebens ledig, nutzte er jede Gelegen- heit und Teile seines Einkommens für zahlreiche Reisen. Außerdem wurde er Mitglied der ‚Geographischen Gesellschaft Darmstadts', war an der Kassenführung der ‚Neuen Hessischen Beamtensterbekasse Darmstadt' beteiligt, spielte in der Statisterie des ‚Staatstheaters Darmstadt', beteiligte sich am Tanz- und Experimental- theater des Staatstheaters (seine letzte Produktion hieß ‚Sterben üben'), gab den Conferencier bei den ‚Dichter- schlachten' in der Centralstation und spielte regelmäßig bis zum Schluss beim PiPaPo-Kellertheater.
Als wäre das noch nicht genug, besuchte Hans Viktor beinahe wöchentlich Lesungen, Klassik- und Jazz-Konzerte und unternahm bis zum letzten Jahr lange, mehrstündige Wanderungen (Gerne auch mitten in der Nacht, um Beispielsweise den frisch gefallenen Schnee zu genießen).
Er verzichtete dafür auf moderne Kommunikations- und Klangtechnik, hörte lieber Schellackplatten; fand ein normales Festnetztelefon völlig ausreichend.

All dies plante er nicht, er tat es einfach. Zum Beispiel ging er einfach zu einem Veranstaltungsort an dem
etwas Interessantes geboten wurde und fragte nach Eintrittskarten. Bei seinem Glück bekam er selbst bei ausverkauftem Haus garantiert den Platz der einzigen nicht wahrgenommenen Reservierung.


Wenn ihm etwas nicht passte schwieg er meist, höchstens sein ‚stehender Spruch "Scheisch-dregg do" kam ab und an halblaut über seine Lippen. Einen Führerschein besaß er auch nicht; ein Fahrlehrer hatte ihm bei seiner ersten Probefahrstunde "fehlende Affinität zum Automobil" bescheinigt.
Auf Fremdsprachenkenntnisse verzichtete er ebenso. Einmal gefragt, wie er sich denn im Ausland verständige, begann HaVi stark zu gestikulieren und sagte verhalten grinsend: "Och, wenn die wolle spreche die all deutsch".
Mit dieser Einstellung bereiste er Deutschland, Europa, den nahen Osten, Teile Afrikas, die USA, Australien und Neuseeland.

HaVi war ein wirklicher Menschenfreund. Er wollte niemandem böses, erwartete nie zu viel von anderen Menschen, war zurückhaltend und warmherzig.

Alle seine Freunde werden diesen skurrilen und hilfsbereiten, etwas zausseligen und bedächtigen, kulturell so vielseitigen Weltbürger aus Bessungen vermissen.


In memoriam - Hans Viktor Kohnle

    "Da geht er hin, einer von Gottes eigenen Prototypen,"
    ... "der nie zur Massenproduktion vorgesehen war," ...
    (eigentlich)
    ... "zu spleenig zum Leben und zu selten zum Sterben."


            Hunter S. Thompson
"Fear And Loathing In Las Vegas"




                  Gute Reise HaVi
                  Carlo Moldenhauer