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Nach dem Tod von Norbert Jakob erschienen drei fast wortgleiche Nachrufe
bei www.pipapo-online.de am Freitag dem 22. Dezember 2006,
im Bergsträßer Anzeiger am Mittwoch dem 27. Dezember 2006
und im Darmstädter Echo am Donnerstag dem 28. Dezember 2006.
Wobei unverständlicherweise die beiden Zeitungen den Zeitpunkt vom Dienstag auf den Donnerstag verlegten.
Im folgenden der Wortlaut dieser Nachrufe:



In memoriam - Norbert Jakob Seine Berufung war das Theater
Nachruf: Pipapo-Schauspieler Norbert Jakob starb am vergangenen Dienstag

BENSHEIM. Noch am 3. November spielte Norbert Jakob - trotz einer Erkrankung - auf der Bühne des Pipapo-Kellertheaters vor begeisterten Zuschauern den Rentier Klapproth. Nur wenige merkten ihm die Anstrengung an. Eine Krankheit, deren Ausmaß auch er selbst nicht ahnte, zwang ihn, eine Klinik aufzusuchen, und nach kurzer Heimkehr starb er am vergangenen Dienstag im Alter von 67 Jahren.

Für die Pipapo-Aktiven war Norbert Jakob Freund, Vorbild und geschätzter Gesprächspartner. Seine humorvolle, warmherzige Art, oder die zuweilen listige Weltsicht, die er - immer integer und bescheiden - vertrat, waren ein wohltuender Ruhepol in jeder geselligen Gruppe.

Norbert Jakobs kaufmännischer Beruf diente nur dem Broterwerb, seine Berufung aber war das Theater. Nach Anfängen am Darmstädter "Bühnchen" Mitte der siebziger Jahre, stieß er zum frisch gegründeten Ensemble der "Erdferkel", denen er bis zu deren Ende treu blieb. In diese Zeit fielen auch Jobs als Synchronsprecher und Rollen in Lehrfilmen.
Kurz nach Gründung des "Pipapo-Ensembles" spielte er erneut in Bensheim. Unnachahmlich bleiben seine übersprudelnd lebensfrohen, urkomödiantischen Darbietungen in "Loch im Kopp", "Schule der Frauen", oder in "Pension Schöller"; aber auch Tragik und Verzweiflung gehörten zu seinem überzeugenden Rollen-Repertoire.
Ein großer Mann der Amateur-Theaterszene Südhessens ist gegangen.
Norbert Jakob lebt nur noch in unseren Herzen fort.

               Das PiPaPo-Ensemble



Der Mitbegründer des PiPaPo-Kellertheaters und alte Freund Norbert Jakobs,
Jürgen Müller, schickte uns einen persönlichen Nachruf:
Ein persönlicher Nachruf auf Norbert Jakob

Lange Jahre, bereits bei den Erdferkeln, und dann natürlich beim PiPaPo, habe ich mit ihm in unzähligen Stücken gespielt.

"Der Rohdiamant", "Caramba, hier riecht's nach Moschus", Schule der Frauen", das "Butterbrot", oder auch die "Mittsommernachtssexkomödie" und viele mehr, sind Stücke in denen er glänzte.

Die Presse hat ihn einmal als Volksschauspieler bezeichnet. Er war ein begnadeter Schauspieler, der es verstand, zum Vergnügen des Publikums, auch Texthänger mit Bravour zu überspielen. Ich habe ihn sehr gemocht, doch in den letzten Jahren aus den Augen verloren. Vor ca. zwei Jahren habe ich zum letzen Mal ein paar Worte mit ihm gewechselt.

Wenn man in Gedenken an ihn ein paar Erinnerungen Revue passieren lässt, dann taucht ein Satz aus der "Mittsommernachtssexkomödie" auf, den er immer mit Vergnügen gesprochen hat:
"Ich bin es leid zwischen Schlangen und Giftpilzen herum zu stehen. Können wir jetzt gehen?"
Ja, lieber Norbert, jetzt bist du gegangen und siehst uns zu.

Ich werde heute - keiner wird es merken - am Silvesterabend zum Jahr 2007, in den Himmel schauen und ganz persönlich von dir Abschied nehmen und dich grüßen. Und die ganze Meute vom Kabarettit, alle mit denen du gespielt hast, grüßt mit.

               Jürgen Müller
In memoriam - Norbert Jakob In memoriam - Norbert Jakob

In memoriam - Norbert Jakob



Mein Bruder und ich veröffentlichen nachfolgende Erinnerung (auch für die Darmstädter Freunde):


Erinnerung an Norbert Martin Jakob

Er war ein "König der Provence"
und ein Kind dieser Stadt


Wir waren Kollegen bei den "Erdferkeln" und beim "PiPaPo". Sein Einfluss auf meine Sicht der Dinge ist nicht zu unterschätzen. So habe ich den Mann erlebt, den mein Bruder und ich von meinem 16. Lebensjahr an kannten.

Norbert war ein loyaler Moralist und ein Darmstädter mit Leib und Seele; war aufrichtig und genügsam, listig und provokant, hatte Humor und der Schalk blitzte oft aus seinen Augen und Reden.
Er begnete mir als guter Zuhörer und ehrlicher Gesprächspartner, der aus seinem Herzen nie eine Mördergrube machte.

In memoriam - Norbert Jakob
Zornig wurde er beim Kadavergehorsam der Militaristen und ewig Unbelehrbaren; die Dummheit aus freien Stücken erregte seinen Unwillen; Aberglaube
und Esoterik erbosten ihn. Die Vertreter des Christentums
hielt er allesamt für Heuchler, Politiker meistenteils für kor-
rupt, und Großverdiener für
verworfenes Pack.
Dennoch begegnete er fast
allen Menschen mit Respekt
- wenn nicht Vorsicht -,
und zeigte immer ein Herz
für Außenseiter
und Ausgestoßene.


In memoriam - Norbert Jakob Geboren am 09. 07. 1939 in Darmstadt, ausgebombt zu Verwandten nach Birkenau, dann als Darmstädter Trümmerkind aufgewachsen, in den Ruinen mit Blindgängern spielend, ging er als junger Mann freiwillig zur neuen Bundeswehr.

Er trat zuerst den Trotzkisten bei, ging dann zur SPD und blieb doch immer ein erdverbundener Men-schenfreund, dem kein Abgrund fremd und ideologische Anfor-derungen eher absurd schienen.

Seinen kaufmännischen Beruf übte er unter anderem bei TEWES und der DRESDNER BANK aus, was ihn nicht daran hinderte zeitweilig auch noch als Nachtwächter in der ALTEN OPER FRANKFURT zu arbeiten.

Er träumte von Reisen und war doch kaum aus seiner Um- gebung hinaus zu bewegen, war ein leidenschaftlicher Leser, liebte skurrile, manchmal richtig schmutzige Verse, improvisierte gern unter dem Autofahren Bütten-Reden und tanzte oft völlig ausgelassen in der Goldenen Krone.

Die klassische Musik war für ihn die einzig echte, aber er ließ auch "verrückte Poeten" wie Frank Zappa, Allan Ginsberg, Georg Kreisler oder Hans Söllner gelten.

Sprachmächtige Künstler
wie Ernst Jandl oder Karl
Valentin achtete er hoch,
schwarzer Humor war eher
selten seine Sache, "Comedy"
hielt er für ein Unglück.

Seine Kunst als Schauspieler
liebte und bewunderte ich.

In memoriam - Norbert Jakob

    Es war einmal
    ein König der Provence,

    der schien von Königinnen
    nichts zu halten,

    er war nicht arm,
    und auch nicht ohne Charme,

    das Klima am Hofe
    war halt nur zu warm.

    In seinem Staat im Ministerrat,
    da waren nur blonde Pagen vertreten,

    und Majestät kam von früh bis spät,
    in jede Art von Schwulitäten.



            Carlo Moldenhauer